Wiedereröffnung der Kurt-Tucholsky-Bibliothek: Keine Vorlage, für weitere Bibliotheksschließungen

Rede von Anette Castillo (Pro Kiez e.V.) am 12. März 2008 vor der BVV Pankow
(es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrter Herr Vorsteher, sehr geehrte Verordnete, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Stadträte, sehr geehrte Gäste,

ich spreche hier vor Ihnen im Namen von Pro Kiez e.V.

Wir alle erinnern uns an die BVV-Sitzung am 21.11.2007, als der Stadtrat für Kultur, Herr Dr. Nelken die Schließung der Bibliotheksstandorte Esmarchstraße und in den Eliashöfen beantragen musste – und daran, was Sie verehrte Verordnete beschlossen haben.

Aber wir erinnern uns ebenso lebhaft daran, dass Herr Dr. Nelken eine Vielzahl von Argumenten für die Wichtigkeit und hervorragende Qualität dieser Standorte vorbrachte:

  • die wohnortnahe Literatur- und Informationsversorgung für Kinder, Jugendliche, Erwachsene ebenso wie für ältere Mitbürger,
  • die wichtige Funktion einer Kiezbibliothek als öffentlicher Raum, in dem lebendige Kommunikation unterschiedlichster Menschen miteinander möglich ist, unabhängig von der eigenen aktuellen sozialen Situation
  • die Leseförderung von Kindern, wozu – übrigens entgegen aller Bedenken – 2008 eine deutschlandweite, von der EU geförderte Kampagne stattfindet.

Der breite Bürgerprotest, der sich bereits aufgrund der ersten Meldungen über die bevorstehenden Schließungen gebildet hatte, führte nach diesem Beschluss zur Kulturbesetzung der Bibliothek, der Sammlung von über 4.000 Unterschriften, die dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses Herrn Momper samt einem Aufruf übergeben wurden, sowie zu einer Reihe von sehr gut besuchten Solidaritätsveranstaltungen vor Ort – und das alles unter dem starken Echo der Medien, wie Sie wissen. Und schließlich führte der Protest zur Gründung des Vereins PRO KIEZ Bötzowviertel, Anfang dieses Jahres.

Als Verein, der Kunst, Kultur und Bildung im Kiez fördert, möchte PRO KIEZ den Bibliotheksstandort Esmarchstraße mit ehrenamtlicher Arbeit erhalten und hat zu diesem Zweck ein konstruktives Bibliothekskonzept mit den folgenden wichtigen Punkten erarbeitet:

  • Fortführung des Bibliotheksbetriebes als Familienbibliothek in öffentlicher Trägerschaft mit reduziertem Bestand auf einer Etage,
  • Verbleib im Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins,
  • Weiterführung der Leihfunktionen und der Leseförderung durch ehrenamtliche Arbeit,
  • Organisation verschiedenster kultureller Angebote

Das Konzept ist sowohl intensiv im Kulturausschuss besprochen, als auch der Bezirksbibliothek vorgestellt worden. Deswegen möchte ich hier an dieser Stelle nochmals auf für uns Wichtiges hinweisen:

PRO KIEZ ist sich dessen bewusst, dass die Fortführung des Bibliotheksbetriebs mit Ehrenamtlichen kein Ersatz für professionelle Bibliotheksarbeit sein kann. Bei aller Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement – inzwischen verfügen wir über einen Pool von über 30 Freiwilligen, darunter viele Akademiker, u.a. in Mutterschaft, Teilzeit, auch einigen im Ruhestand, etliche davon mit Bibliothekserfahrungen – besteht Klarheit über die Komplexität des hier nötigen Einsatzes.
PRO KIEZ bietet damit auf keinen Fall eine Vorlage, um zukünftige Schließungen von Bibliotheken zu rechtfertigen, sondern wir wollen DIESEN Standort erhalten! Und zwar damit DIESER Standort – lassen Sie uns an dieser Vision festhalten – für eine spätere Rückführung in Fachhände noch da sein wird!

Seien Sie versichert: PRO KIEZ setzt sich auch weiterhin verstärkt dafür ein, dass sich politisch etwas bewegt hin zu garantierten Mitteln für öffentliche Bibliotheken, wie es in Europa Normalität ist.

Deswegen bitte ich Sie, verehrte Verordnete, setzen Sie sich ein für die Aufhebung der Schließung der Kurt-Tucholsky-Bibliothek in der Esmarchstraße und für den Weiterbetrieb der Bibliothek durch Pro Kiez Bötzowviertel.

Vielen Dank!

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