Eilaktion / Ausleihen statt Aussondern / Rettet die Bibliotheks-Bücher

Liebe Freunde der Kurt Tucholsky Bibliothek,

die KTB braucht dringend Eure schnelle Mithilfe.

Es gibt Vorgaben vom Amt für Kultur, dass wir als Ehrenamtsbibliothek genauso viele Bücher (nämlich 15% im Jahr) aussortieren müssen, wie die „normalen“ öffentlichen Bibliotheken auch.

Nur: unser Etat für Neuanschaffungen ist gerade mal 5000 Euro „hoch“ und damit deutlich geringer, als bei den übrigen Bibliotheken; das reicht für ca. 500 Medien im Jahr! Demgegenüber sollen jährlich ca. 3600 Medien – von insgesamt noch 24000 – raus!

Weil wir diesen Wahnsinn in den letzten Jahren – aus schon rein rechnerisch einleuchtenden Gründen – nicht buchstaben/zahlengetreu umgesetzt haben, wurden wir seit letztem Jahr sehr nachdrücklich und vor zwei Wochen noch einmal aufgefordert bis Anfang Juli noch 6000 Bücher auszusondern.

Und wir bekommen dazu „Unterstützung“. Am 19.6., Mittwoch in einer Woche!, werden 4 Bibliothekarinnen des Bezirks verpflichtet in unserer Bibliothek möglichst viele Bücher nach vorgegebenen Listen auszusortieren. Mit oder ohne KTB-Mitarbeiter!

Die Erfahrung des letzten Jahres lehrt: wir haben keine Chance uns dagegen zu wehren. Wir riskieren bei Verweigerung die sofortige Abkopplung vom öffentlichen Bibliotheksnetz. Der Bestand ist kommunales Eigentum und der Zugang zu den Räumen in jedem Falle – auch rechtlich – möglich! Im letzten Frühjahr gab es schon drei solcher Einsätze; und wir standen dem relativ machtlos und frustriert gegenüber, haben nur versucht das Schlimmste zu verhindern.

Und deshalb brauchen wir JETZT Eure Mithilfe: aussortiert werden können nur vorhandene Bücher, solche, die längere Zeit nicht ausgeliehen wurden, exakt ab vier Jahren bereits!

Ausgeliehene Bücher können aber nicht ausgesondert werden! Wenn Ihr helft gerade diese Bücher zu retten und sie ausleiht, können sie am kommenden Mittwoch nicht aussortiert werden.

Daher: kommt am Donnerstag, Freitag, Montag zwischen 14 und 18 Uhr, Dienstag zw. 15 und 19 Uhr und Samstag zw. 11 und 13 Uhr – und gern auch nach telefonischer Vereinbarung am Vormittag, wenn wir Innendienst haben! – in die KTB und leiht viele Bücher (bis zu 60 sind erlaubt) aus den folgenden Kategorien:

  • Klassiker der deutschen Belletristik (z.B. Fontane, Goethe, Heine, Hesse, Schiller, Böll, Strittmatter, Seghers, Schlesinger u.v.a.m.)
  • internationale Belletristik (z.B. Roth, Anne Proulx, Auster, Camus, Sarte, Cervantes, Dostojewski usw.)
  • Auch folgende Sachgruppen für Erwachsene brauchen dringnd Unterstützung: Lyrik, Dramen, Sagen, Epen, Biographien aus allen Bereichen, Kunst, Literaturwissenschaft, Film, Musik, Philosophie, Geschichte usw., usf.

Es geht darum, welche Bücher wollen wir immer verfügbar in unserer Bibliothek wissen!

Die Notwendigkeit kann immer bei den Kollegen am Computer vor Ort geprüft werden. Wir haben notfalls auch Raum für die temporäre Lagerung Eurer Ausleihen… Besser natürlich: lest mal wieder das ein oder andere schützenswerte Kulturgut Buch

Bitte helft durch Euer kurzfristigen Ausleihen unseren Bestand und die Bibliothek zu erhalten.

Vielen Dank, im Namen des
Vorstandes Pro Kiez e.V., der Koordination der KTB und aller Leser
Klaus Lemmnitz
Uta Egerer
Barbara Wittwer
Susan Teege
Johannes Lutz

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13 Antworten zu Eilaktion / Ausleihen statt Aussondern / Rettet die Bibliotheks-Bücher

  1. BrunO schreibt:

    Startet doch eine Petition an das Amt für Kultur auf https://www.change.org/de/Eine-Petition-starten – am besten Deutsch-Englisch. Den Rest machen wir auf Twitter und Co.

  2. berlioz1935 schreibt:

    Das ist doch heller Wahnsinn – ein Schildbürgerstreich erster Ordnung. Das kommt ja der Bücherverbrennung von Goebbels gleich. Ich wohne leider zu weit weg um mir etwas auszuleihen.

    Ich hoffe nur viele Menschen kommen um sich Bücher auszuleihen.
    Viel Glück. 🙂

  3. Benjamin schreibt:

    Vielen Dank für eure Arbeit 🙂

  4. Kathi schreibt:

    Bei eurem Aufruf fällt mir ganz spontan „Bücher auf Rädern“ von Ian Sansom ein. Viel Glück und viele neue und alte Nutzer.

  5. Johannes schreibt:

    An ALLE Kommentatoren: Danke für Eure Unterstützung.
    An berlioz1935: Deine Wut ist verständlich aber mit Bücherverbrennung hat das ganze wirklich nichts zu tun. Hier sollen ja keine Autoren verhaftet und deren Bücher nicht mehr zugänglich sein. Selbst wenn es die Kurt Tucholsky Bibliothek nicht mehr gäbe, könnte man ja noch alle Bücher in anderen Bibliotheken Berlins ausleihen.
    Der Irrsinn ist: Es gibt von der Bürokratie, das heisst dem Bezirksamt für Kultur von Pankow die Vorgabe das 15% pro Jahr aussortiert werden müssen. Das ist ja erstmal sinnvoll. Verschlissene und veraltete Bücher sollen durch neue ersetzt werden. Nur: Unser Etat langt für 500 Bücher, wir sollen aber 4000 aussortieren. Rein rechnerisch hat die Bücherei dann in einigen Jahren keinen Bestand mehr und wird geschlossen.
    Das Problem kann leicht gelöst werden. Der zuständige Stadtrat braucht eigentlich nur sein Amt anzuweisen:
    Die Kurt Tucholsky Bibliothek muss pro Jahr die gleiche Menge an Büchern aussortieren wie sie auch anschafft.
    Johannes Lutz (vom Betreiberverein Pro Kiez e.V.)

  6. Andreas schreibt:

    Eine riesen Schweinerei!
    Leider wohne ich zu weit weg, deshalb – als moralische Unterstützung – habe ich per Mail 60 Bücher per Fernleihe ausgeliehen.
    Ich hoffe Eure Aktion hat den gewünschten Erfolg.

  7. Theres schreibt:

    Wie kommt man denn zur Fernleihe?
    Ich kenne wen, der gern helfen würden, aber keinen Link finden, vorausgesetzt, das geht auch ohne Ausweis …

  8. Wonderbra schreibt:

    Was spricht dagegen die ausgesonderten Bücher an einen Bedürftigen abzugeben – und zufällig die gleichen Bücher für 1 Euro zu kaufen? Oder dürfen nur neue Bücher gekauft werden?

  9. Pingback: Die Kurt-Tucholsky-Bibliothek kämpft gegen Schildbürger für den Erhalt Tausender Bücher | Über Literatur und Sprache

  10. Pingback: Gelesen in Biblioblogs (24.KW’13) – Vertretung Lesewolke | Bibliothekarisch.de

  11. berlioz schreibt:

    An Lutz, ich gebe ja zu, das mein Kommentar etwas übertrieben war, aber Du schreibst ja selbst “ Unser Etat langt für 500 Bücher, wir sollen aber 4000 aussortieren. Rein rechnerisch hat die Bücherei dann in einigen Jahren keinen Bestand mehr und wird geschlossen“. Das sehe ich auch so und das kommt dann mit der totalen Vernichtung gleich. Wenn dann andere Bezirke die gleich Maßnahmen ergreifen, dann gehören die alten literarischen Bücher der Vergangenheit an. Viele von den alten Büchern werden ja gar nicht mehr neu verlegt.
    Ich habe mich schon immer gewundert, warum gerade ich hier so weit weg vom Schuss alte Bücher aufhebe. Tucholsky wird von mir besonders verehrt.

  12. Sibylle schreibt:

    Habe einige Bücher vorbestellt, sie werden zu mir nach Schöneberg geschickt, viel Erfolg und herzlichen Gruß, Sibylle

  13. Pingback: Vielen Dank für die vielfältige Unterstützung. | Pro Kiez Bötzowviertel

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