Werke des Dadaismus und Surrealismus

In unserer kleinen Kiezbibliothek gibt es einige sehr interessante Werke des Dadaismus und Surrealismus, die nicht nur für das Verständnis der Literatur im 20. Jahrhundert von Interesse sind. Auf einige Bücher sei im Folgenden kurz eingegangen:

Maurice Nadeau

Geschichte des Surrealismus

Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH

Reinbek bei Hamburg 1986

Erstmals 1945 in Frankreich erschienen, betrachtet Nadeau die Entwicklung des Surrealismus und insbesondere der surrealistischen Bewegung von ihren Anfängen nach dem 1. Weltkrieg bis zum Beginn des 2. Weltkriegs. Des Weiteren verfolgt er die Entwicklung der in die USA emigrierten Surrealisten sowie sein Wirken nach Beendigung des Krieges und der Rückkehr nach Frankreich. Wenngleich hier der Existenzialismus die vorherrschende geistige Strömung bildete, befruchteten nach N. surrealistische Ideen in vielfältiger Weise künstlerische Werke der Moderne.

Hervorgegangen war der Surrealismus aus der französischen Gruppe der Dadaisten. Breton und seinen Freunden wurde der Dadaismus mit seinen „bloß zersetzenden Umtrieben aus der Zeit nach Kriegsende“ zu eng. Ab 1922 arbeiteten sie daran, „in konstruktiver Weise die neuen Entwicklungsrichtungen der <modernen> Kunst  klar herauszuarbeiten“.

Sehr bald wird vielen surrealistischen Künstlern bewusst, dass eine grundlegende Erneuerung der Kunst ohne grundlegende Veränderung der Gesellschaft nicht möglich sein wird. Viele suchen und finden Gemeinsamkeiten mit Akteuren der – kommunistischen – Arbeiterbewegung als Kraft, die eine Alternative zur herrschenden Gesellschaft anbietet. Doch die FKP (Französische Kommunistische Partei), unter dem Einfluss der von der Sowjetunion gelenkten Kommunistischen Internationale, kann und will eine eigenständige geistige Strömung der Surrealisten in der Partei nicht dulden. Hier sieht der Autor die Ursache für den Bruch Bretons und seiner Freunde mit den Kommunisten. Aragon, Eluard und andere namhafte Vertreter des Surrealismus vollziehen diesen Bruch nicht mit.

 

André Breton

Die Manifeste des Surrealismus

Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH

Reinbek bei Hamburg

In dem Taschenbuch werden die wichtigsten Schriften André Bretons veröffentlicht: „Erstes Manifest des Surrealimus“ (1924) und „Zweites Manifest des Surrealismus“ (1930), „Prolegomena zu einem Dritten Manifest des Surrealismus oder nicht“ (1942) sowie „Was der Surrealismus will“ (1953).

 

André Breton

Nadja

Insel-Verlag

Leipzig 1985

 

Kurzannotation der Bibliothek: „<Nadja> (1928) ist eines der Hauptwerke des französischen Surrealismus; Breton (1896-1966) gehört zu dessen Mitbegründern. Die Begegnungen zwischen Nadja und Breton sind real und irreal. Der Autor berichtet von kennzeichnenden Episoden seines eigenen Lebens, wie es sich in Zufällen, Vorstellungen, Fügungen, Zusammenhängen und im Zusammentreffen banaler Umstände abspielt und wie er ihnen ausgeliefert ist. Es sind Erscheinungen, die Assoziationen hervorrufen, und es ist die Sicht Bretons auf sich selbst, auf sein Verhältnis zur Welt. Der erste Satz lautet: <Wer bin ich?>, und um diese Frage kreist der ganze surrealistische Text.“

„Nadja“ ist ein in vielerlei Hinsicht spannendes und nachdenkenswertes Buch. Es kann dazu anregen, sein eigenes Leben, seine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse genauer zu hinterfragen.

 

André Breton

L` Amour fou

Suhrkamp Verlag 1994

In diesem essayistisch angelegten Werk reflektiert Breton anhand verschiedenster Erlebnisse das Zusammenspiel von Bewusstem und Unbewusstem, von Zufall und Notwendigkeit, die wechselseitige Abhängigkeit von Naturbeobachtungen und bestimmten Erlebnissen, Gefühlen, Gesprächen u. v. a. Er zeigt diese Zusammenhänge stets anhand konkreter Vorkommnisse und zeigt solcherart, wie sehr unser Denken und Handeln durch das Unterbewusstsein geprägt ist. Bemerkenswert auch die Überlegungen über die Absolute, die bedingungslose Liebe und ihrem allmählichen Verlöschen.

Die Schrift regt u. a. dazu an, anhand eigener Erlebnisse, Gefühle etc. z. B. darüber nachzudenken, in welchem Verhältnis Zufall und Notwendigkeit stehen, wann und unter welchen Voraussetzungen Ergriffenheit angesichts von Naturschönheiten oder deren Nichtbeachten unser Denken und Empfinden bestimmen.

 

 

Louis Aragon

Die Abenteuer des Telemach

Verlag Volk und Welt – Spektrum 155

Berlin 1981

 

„Die gewollt exklusive Dichtung Aragons formuliert den Protest des Autors angesichts des herrschenden bürgerlichen Kulturbetriebes nach dem ersten Weltkrieg. Dadaistische uns surrealistische Erfahrungsinhalte werden in einem mythologischem Spiel reflektiert. Die 1922 erschienene Erzählung, in der die knappe, vordergründige Handlung nicht der eigentliche Inhalt ist, dokumentiert die Suche nach einer neuen Haltung zum Leben und zur Kunst mittels einer Radikalen neuen literarischen Gestaltungsweise. Mit allen Beteiligten treibt der Autor sein Spiel: mit seine Figuren, seinen Motiven, mit dem Leser und mit sich selbst.“ (Kurzannotation der Bibliothek)

Von besonderem Interesse scheinen die Reflexionen des Autors zur Mehrdeutigkeit von Sprache, ihren Begrifflichkeiten, deren Bedeutungswandel, zum Verhältnis von Gegenwart zu Vergangenheit und Zukunft, Raum und Zeit etc. – kurzweilig, amüsant und lesenswert!

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